teatime
Der Tod späht über meine Schulter

 

Heute Nacht hab ich von ihm geträumt. Er stand neben mir. In demrot-weiß gestreifent Pulli, den er so oft getragen hat. Er hat gelacht, er sah glücklich aus. Wieso musste ichausgerechnet diese Nacht von ihm träumen? Seine Gedenkfeier. Sie ist grade, in diesem Augenblick. Wieso bin ich nicht dort? Meine Ma und meine Schwester haben mich gefragt. "Willst du nicht mitkommen?" Was ich geantwortet hab? Ich sags von vornerein. Es war eine Ausrede "Ich hab Angst udn ich bin nicht rechtzeitig wieder da." Auf den Einspruch, dass ich direkt nach Gitarre dort hinkommen könnte, hab ich nicht geantwortet. Weil ich feige bin, wel ich mich nicht traue dort hinzugehen. Wäre ich zuhause gewesen, als seine Beerdigung war, ich wieß nicht, ob ich hingegangen wäre. Ich hab mich bisher aus jeder Beerdigung rausgeredet. ich bin nicht erwachsen gnegu für sowas. ich halte das nicht aus. Zumindest bilde ich mir das ein. Vor ein paar Wochen dachte ich, es wäre vorbei, ich hätte verstanden, dass er tot ist und nicht mehr zurück kommt. Ich hab vergessen, wie es ist das zu verstehen. Wenn ich hingegangen wäre, hätte ich die endgültigkeit seine Todes hinnehmen können. Ich dachte es wäre besser geworden. Es ist wieder schlimmer. Ich hab von ihm geträumt, ich hab wieder geweint, ich hab seine Unterschrift an der Wand in der Schule gesehen. Ich hätte es natürlich geschafft hinzugehen. Ich hätte zu meinem Gitarrenlehrer sagen können "Ich habs eilig, ich muss jetzt los." Stattdessen hab ich ihm zugesehen, wie er noch fast eine halbe Stunde Noten und Akkorde aufgezeichnet hat. Ich trau mich nicht mal hochzugehen um zu fragen wie es war. Weil ich mich schäme, weil ich wieder Ausreden erzählen werde. Vielleicht war sein Lachen in meinen Träumen ein Zeichen. Ein Zeichen dafür, dass es ihm gut geht. "Eigentlich habe ich nie an den Himmel geglaubt, aber ich hoffe, dass es jetzt trotzdem einen gibt." Worte meiner Schwester an ihn. Ich hoffe es auch. Ich hoffe es ist so, wie er es sich vorgestellt hat. Und ich hoffe, ich krieg es irgendwann auf die Reihe nicht mehr jeden Tag einen kurzen Atemstillstand zu bekommen, wenn ich von Autounfällen höre oder daran erinnert werde. Ich hab keine Worte mehr für heute. Das passiert selten. Ich wünschte er würde nicht in meinen Träumen auftauchen.

20.7.11 18:59
 


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